Latein

Latein auf Stein

Drei Tage lang haben Schüler des Weilimdorfer Solitude-Gymnasiums unter Anleitung von Frau Lehbrink und Herrn Rüdel nach lateinischen Inschriften geforscht und diese dokumentiert.

„Latein auf Stein. Gestern – heute – morgen“ ist ein Projekt des Solitude-Gymnasiums. In diesem geht es darum, lateinische Inschriften an verschiedenen Orten in Stuttgart zu finden, sie zu übersetzen und dann die Informationen über sie in einer einzigen großen Ausstellung festzuhalten. Da diese Inschriften sehr alt sind und die lateinische Sprache nicht mehr von vielen Menschen verstanden werden kann, sorgt das Projekt deshalb dafür, dass diese noch in unserer virtuellen Ausstellung erhalten bleiben. Wenn diese Inschriften nämlich nicht für die Nachwelt erhalten werden, dann würde niemand mehr etwas über unsere Vorfahren wissen. Und nach diesem Prinzip laufen derzeit alle Projekte unserer Schule. Die Projektwoche steht unter dem Thema „Zukunftswerkstatt“, in unserem Projekt sorgen wir uns um unsere Vergangenheit, damit die Spuren der Vergangenheit in der Zukunft erhalten bleiben. Kazim (8c)

Verzahnung von Theorie und Praxis: Die Schüler erarbeiten sich zunächst Basiswissen über den Umgang mit latinischen Inschriften. Was bedeuten Abkürzungen, wie verstehe ich die Datumsangeben, wer sind die Personen die genannt werden? Nach einigen Trockenversuchen, machen die Teilnehmer sich in Stuttgart auf die Suche nach Inschriften.

Auf dem Weg von der Schule zur Stadtbahn befindet sich die erste Inschrift: Solitude-Gymnasium „in Stein gemeißelt“. In der Stuttgarter Innenstadt werden die Schüler auf ihrem Rundweg ab dem Schlossplatz an zahlreichen Orten fündig:

Die alte Kanzlei am Schillerplatz

Für den Herrschaftsbereich des württembergischen Herzogs war die Alte Kanzlei 1544 ein wichtiges Gebäude.
Die Landschreiberei mit Registratur, die Buchhaltung, die Hofkammer und auch die Vorratskammern, 
die dem benachbarten Alten Schloss, dem Wohnsitz des Herzogs, dienten. 1542 begann der Bau des Monuments und dauerte drei Jahre bis 1544. 
Schon 1566 wurde das Gebäude erweitert. Diese und weitere Informationen kann man aus den Inschriften über den beiden Eingängen entnehmen.
Erste Inschrift: 

CVRIA DUCIS /
AB VDALRICO DUCE WVRTEMBERGICO A(nn)O MDXLIII EXSTRVCTA / 
A D(omi)N(i) CHRISTOPHORO DVCE AN(no) MDLXVI AMPLIFICATA /
(ante diem) TERT(ium) KAL(endas) IAN(uarias) MDCLXXXIV IGNE VORACI EX 
PARTE DEVASTATA / 

ANNO SEQUENTE /
SUB ADMINISTRATIONE D(omi)N(i) DVCIS FRIDERICI CAROLI TVTORIS / 
D(omi)N(i) DVCIS EBERHARDI LVDOVICI PRINCIPIS IVVENTVTIS /
PRISTINO SPLENDORI RESTITVTA /
STET PORRO INVIOLATA STRVCTVARAE FACIES INCONCVSSAM HABEAT 
NOSTRA AETAS INCOLVMEM VIDEAT POSTERITAS

Übersetzung:
Die Kanzlei des Herzogs wurde, von Herzog Ulrich, dem Württemberger,
im Jahre 1543 erbaut, von Herzog Christoph, unserem Herrn, im Jahre 1566 erweitert.
Am 30.12.1683 wurde sie von einem gefräßigen Brand aus einem Stadtteil gänzlich verwüstet.

Im folgenden Jahr unter der Verwaltung des Herrn Herzogs Friedrich Karl, des Vormund des Herrn Herzogs Eberhard Ludwig,
des Fürsten der Jugend, wurde sie im ehemaligen Glanz wiederhergestellt.

Möge sie als Bauform weiter unversehrt stehen, unser Zeitalter möge sie
unerschüttert besitzen und die Nachkommen mögen sie unversehrt sehen. 
Zweite Inschrift:
QUOD ANNORUM SERIE TEMPESTATIS INCLEMENTIA /
DIRUIT IN PRIOREM FORMAM RESTITUI IUSSIT /
CAROLUS WUERTTEMBERGIAE REX /
ANNO MDCCCLXXVIII

Übersetzung:
Die Zerstörung des Gebäudes im Laufe der Jahre durch die Schonungslosigkeit der 
Zeit führte dazu, dass König Karl von Württemberg befahl, das Gebäude im Jahre 
1878 in alter Form wiederaufzubauen.

Chris (9a), David (6a), Freya (6c), Simon W. (8c), Tim (8c)

Die Grafenstandbilder im Chor der Stuttgarter Stiftskirche

Diese Inschrift haben wir in der evangelischen Stiftskirche gefunden. Es ist das Grabmal von dem Grafen Heinrich von Württemberg, der zwar nicht in der Stiftskirche begraben ist, dafür in einer Gruft unter der Stiftskirche. Die lateinische Inschrift haben wir über der Gedenkstatue gefunden, neben vielen anderen aus dem württembergischen Grafenhaus. Im Folgenden wird der Text übersetzt. Latein: 
ILLVSTRISS(imus) PRINCEPS ET DOMINVS DOMINVS 
HENRICVS COMES WIRTEMBERGAE AC MONTIS 
PELIGARDI ETC(eterorum) FATIS CONCESSIT IN VIGILIA PAL 
MARVM ANNO CHRISTI MDXIX AETATIS LXXIII 
Hier dann die Übersetzung:
Der sehr berühmte Fürst und Herr, der Herr Heinrich, der Graf von Württemberg und von Mömpelgard (Montbéliard) etc. ist durchs Schicksal am Vorabend von Palmsonntag im Jahre Christi 1519, im Alter von 73 gestorben.
Leon (8c), Paulina (6c), Polina (8c)

Ehrengrab für Johannes Brenz in der Stiftskirche

Ein Teil der sterblichen Überreste des württembergischen Reformators befinden sich im Boden unter der Kanzel der Kirche. Neben der Kanzel erinnert eine Ehrengrab an ihn. 

Latein:VOCE STYLO PIETATE FIDE CANDORE PROBAT(us) /IOANNES TALI BRENTIVS ORE FVIT /

D(eus) O(ptimus) M(aximus) S(anctissimus) /



IOANNES BRENTIVS NATIONE SVEVVS /

PATRIA WILENSIS THEOLOG(us) CLARISS(imus) /

PRAEPOS(itus) STVTGART(ae) ILLVSTRISS(imus) DVCVM /

WIRTENB(engsium) CONSILIARIVS INTER PRIMOS /

REPURGATAE ECCLESIAE INSTAVRATORES /

FVIT. SCRIPTVRAS PROPH(etae) ET APOST(olorum) IN /

SCHOLIS SACRIS CONCIONIB(us) COMITIS /

IMP(erii) ROM(ani) ET LVCVBRATIONIBVS SVIS /

ILLVSTRAVIT AC PROPVGNAVIT. CONFES/

SIONIS CAVSA EXILIVM CONSTANTER /

TVLIT. CONSILIIS ECCLESIAM ET COMMVNEM /

PATRIAM IVVIT. VITAE INNOCENTIA /

PROFESSIONEM ORNAVIT. ET CVM IN /

HOC SVO CVRRICVLO L ET AMPLIVS /

ANNOS MAGNO ECCLESIAE COMMODO /

ELABORASSET, PLACIDE IN CHRISTO /

OBDORMIVIT. ET SUMMO PIORVM OMNIVM /

LVCTV HIC SEPVLT(us) EST. ANNO DMDLXX /

MEN(se) SEPTEMB(ri), DIE XI, CVM VIXISSET /

ANNOS LXXI, MEN(ses) DVOS, DIES XVII /


Übersetzung:

Johannes Brenz, bewährt durch die Stimme, die Schrift, die Frömmigkeit, den

Glauben, die Klarheit, war von solcher Wortgewalt


Dem besten, größten, heiligsten Gott.Johannes Brenz, von der Nation her Schwabe, von der Heimat her Weilderstädter, sehr berühmter Theologe, Stuttgarter Stiftspropst, sehr berühmter Berater der württembergischen Herzöge, war unter den ersten Gründern der reformierten Kirche. Die Schriften der Propheten und Apostel verdeutlichte er durch seine eigenen Arbeiten und verteidigte sie in den Schulen, in den Kirchenversammlungen und in den Versammlungen des (heiligen) römischen Reiches. Er nahm seines Glaubens wegen das Exil auf sich. Er half der Kirche und dem gemeinsamen Vaterland mit seinen hilfreichen Ratschlägen. Er schmückte seine berufliche Kunst der Rechtschaffenheit im Leben. Und als er sich in diesem seinen Lebenslauf fünfzig und mehr Jahre lang zum großen Nutzen der Kirche angestrengt hatte, ist er friedlich in Christus entschlafen. Und er ist bestattet worden unter sehr großer Trauer aller Frommen. Im Jahr des Herren 1570 im Monat September am elften Tag, als er 71 Jahre, zwei Monate und zwei Tage gelebt hatte. Celil (7b), Christopher (8c), Tobias (7d)

Willkommensgruß vor dem Römischen Lapidarium

Latein:

INTRANS HOSPES AVE. TIBI CONSCIA SAXA LOQVENTVR.

CHARTAE QVOD TACEANT HIC MANIFESTAT HVMVS


Übersetzung auf dem Stein:

Gruss dir Besucher zuvor! Nun lausche den redenden Steinen. Schweigen die

Bücher sich aus macht es der Boden dir Kund. (Josef Eberle)


Unsere Übersetzung

Sei gegrüßt eintretender Gast! Die eingeweihten Steine werden zu dir sprechen.

Was das Papier verschweigt, macht dir hier der Boden sichtbar.


Übersetzungsvergleich:

Die Übersetzung von Josef Eberle ist nicht sehr wörtlich übersetzt. Auch das Wort „LOQVENTVR“ haben wir andes übersetzt (zu jdm. sprechen).

(„Gruß dir Besucher zuvor“ steht im Gegensatz zu „Sei gegrüßt, eintretender Gast!“)

Es ist dem lateinischen Text entsprechend eine Übersetzung in Hexametern (Was das Papier verschweigt, macht dir der Boden kund).

Die „SAXA“ in Eberles Satz sind das Dativ-Objekt, „LOQVENTVR“ heißt eigentlich nicht „lauschen“.

Deshalb haben wir in unserer Übersetzung die „SAXA“ zum Subjekt umgewandelt, wie man es normal übersetzt 

Auch das Wort „LOQVENTVR“ haben wir andes übersetzt (zu jdm. sprechen).


Dominik (8c), Kazim (8c), Simon R. (8c)

Altar für die Deae quadruviae

Bei unserem Objekt handelt es sich um einen Altar für die Deae quadruviae, Jupiter und alle Gottheiten.


Dieser Altar wurde in Stuttgart-Bad Cannstatt gefunden. Dem Altar im Lapidarium nach ist die Inschrift am 29. Dezember 230 n. Chr. entstanden. 
Der Altar ist ca. 1,35 m hoch. Oben läuft er zu einem Dach zu. In der Mitte befindet sich ein Relief mit vier Frauen. Unterhalb des Reliefs befindet sich die lateinische Inschrift. Das Glänzen einiger Quarzsteine, die im Stein enthalten sind, erschwert das Lesen der lateinischen Inschrift.


Lateinische Inschrift: DEABVS QVADRVVIS / I(iovi) O(ptimo) M(aximo) DIS DEABVSQVE* / OMNIB(us) SERENI(us) AT/TICVS B(bene)F(iciarius) CO(n)S(ularis) PRO / SVA ET SVORVM SALVTE / POSVIT (ante diem) IIII K(alendas) IAN(uarias) / AGRICOLA ET CLEM/ENTINO CO(n)S(ulibus)

Übersetzung der lateinischen Inschrift:


Den Vierwegegottheiten, Jupiter, dem Besten, dem Größten und allen Göttinnen und Göttern stellte Serenius Atticus, konsularischer Beneficiarius (Amt in der römischen Provinzverwaltung) für sein Heil und das seiner Familie am vierten Tag vor den Kalenden des Januars, als Agricola und Clementinus Konsuln waren, (diesen Stein) auf.

* „DEABUSQUE“ ist nachklassisch. Eigentlich sind die Endungen im Dativ Plural sowohl für Feminin als auch Maskulin -is, die Form müsste DEIS oder DIS lauten. Auf der Inschrift hat man aber zur Unterscheidung von männlichen und weiblichen Gottheiten die nachklassische Variante gewählt.

Abkürzungen, die in der Inschrift vorkommen:


Abkürzungen, die in der Inschrift vorkommen:

IOM (Iuppiter optimus maximus

OMNIB (omnibus)

BF (beneficiarius)

OS (consul)

K (Kalendae)

IAN (Ianuarius)

moderne Bauinschrift

An einer Bauinschrift, die sich in der Urbanstraße/Ecke Eugenstraße unter einem Erker befindet, steht folgendes in Stein gemeißelt:

erexit / anno domini mdccc / XXXXIX


Übersetzt würde unter dem Erker stehen:

Erbaut im Jahre des Herrn 1849.


David (6a)

Statuen im oberen Schlossgarten.

Auf dem Rückweg zum Schlossplatz säumen Statuen mit Motiven aus der Antike den Weg im oberen Schlossgarten. 
Von zweien haben wir die Inschriften notiert:
von einem Diskuswerfer (in latinisiertem Griechisch DISCOBULUS) und einer römischen Liebesgöttin (VENUS) 
„mit dem schönen Po“ (griechisch CALLIPIGOS), ein Begriff, der für Darstellungen der Göttin verwendet wird, 
bei denen sie nach hinten blickend dargestellt ist.

Fachlehrer

Frau Lehbrink

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